1987: Der erste Volkskönig

Während des Schützenfestes außer dem uniformierten König einen Volkskönig in Zivil ausschießen, war einer der Versuche, dem ältesten Volksfest der Kreisstadt Winsen seine Breitenwirkung in der Bevölkerung wiederzugewinnen. Wer zum Schießwettkampf um den Titel Volkskönig kam, fand vielleicht Freude am Schießsport und trat schließlich ins Schützenkorps ein
Der Anfang im Jahre 1987 war vielversprechend. Keiner der Macher des Schützenfestes hatte damit gerechnet, daß mehr als hundert Mitbürger Volkskönig werden wollten. Tatsächlich bewarben sich 134 Aspiranten, wobei die Frauen die Mehrheit stellten.
Mit einem 184-Teiler machte der 22jährige Postbeamte Hans-Joachim Koch das Rennen. Was hatte ihn auf den Schießstand gelockt? Er kannte das Schützenfest aus der Sicht des TSC-Spielmannszuges. Mit Kameraden aus dem Spielmannszug hand er sich auf dem Schießstand ein. Er selbst hatte keinerlei Schießerfahrung. Und als er auf dem sonnabendlichen Festball erfuhr, daß ihm der Titel Volkskönig 1987 gehörte, da lautete sein Kommentar: "Ein Glücksschuß!"
Außer dem Titel gab es 500 Mark, von Schützenbruder Gerd Herzog zur Verfügung gestellt. Dazu kam eine ideelle Auszeichnung. Der Volkskönig durfte Sonntag mittag im offenen Wagen durch die Stadt fahren - eine der Majestäten des Schützenfestes.
Der Versuch von 1987 dauerte genau sechs Jahre. Da mußte die Kommission erkennen, daß mit dem Volkskönig auf Sicht kein Staat zu machen war. Beim Schützenfest 1992 traten gerade noch 13 Bewerber zum Kampf um den Titel an, sieben Männer und sechs Frauen. Mit einem 196-Teiler konnte sich die 23jährige Pädagogikstudentin Petra Emcke an die Spitze setzen.
Ab 1993 wurde kein Volkskönig mehr ausgeschossen. Das Schützenkorps hatte erkannt, daß mit einem Gästeschießen viel bessere Breitenarbeit zu leisten war. 1995 beispielsweise nahmen am Gästeschießen auf dem Winsener Schießstand 31 Mannschaften teil, jede sechs Schützen stark, von denen höchstens zwei Mitglied im Schützenkorps sein durften. Mit den Gästeschießen reichte man weit in Behörden, Firmen und Vereine hinein.