1975: Die erste Schießsportwoche

Inbegriff aller schießenden Schützen war in den 50er und 60er Jahren die Gewehrgruppe. Noch interessierten sich nur wenige für den Unterschied zwischen Traditionsschießen und Sportschießen.
Tatsächlich vereinigte und vereinigt die Gewehrgruppe vorwiegend Traditionsschützen. Seit 1958, dem 800jährigen Stadtjubiläum mit dem riesigen Festumzug, besaß die Gewehrgruppe 30 Holzgewehre. Diese leichten Attrappen werden seitdem bei Ausmärschen mitgeführt.
Als engagierter Leiter der Gewehrgruppe wirkte schon damals Heinz Thiel; bereits 1954 war ihm die Führung anvertraut worden. Nachdem er 1979 sein 25jähriges Jubiläum als Gewehrgruppen-Chef gefeiert hatte, begann er an Ablösung zu denken. Zwei Jahre später - 1981 - rückte Lebrecht Maack junior als Leiter der Gewehrgruppe nach.
Was seit 1975 jedes Jahr im Herbst in Winsen lief, war eine reine Sportveranstaltung. Kaum stand das Schießsportzentrum, da lud stellvertretender Kommandeur Wilhelm Rulfs zu einem ausschließlich schießsportlichen Wettbewerb ein, zur 1. Norddeutschen Schießsportwoche in Winsen. Rulfs war der geistige Vater und der nimmermüde Organisator der Veranstaltung.
Vom 4. bis zum 12. Oktober 1975 war das Schießsportzentrum Winsen allabendlich von 18 bis 22 Uhr geöffnet, an Sonnabenden schon ab 13 Uhr und an Sonntagen ab 9 Uhr. 170 Mannschaften und 670 Einzelschützen wurden erwartet.
Sechs schießsportliche Disziplinen umfaßte die Woche: Kleinkaliber, Dreistellungskampf; Kleinkaliber, liegend; Sportpistole; Luftpistole; Luftgewehr, Jugend.
In zwei Disziplinen sah Winsen absolute Asse. Im Dreistellungskampf mit Kleinkaliber konnte der Weltrekordhalter Bernd Klingner aus Bremervörde seine bisherige Bestleistung um weitere vier Ringe auf 584 Ringe (von 600 möglichen) verbessern. Mit der Luftpistole siegte der mehrfache Deutsche Meister Heinrich Fretwurst von der Hamburger Polizei.
Auf der Herbstversammlung des Schützenkorps unmittelbar nach dem 12. Oktober sagte Kommandeur Karl Hermann Grimm: "Diese Schießsportwoche war nicht nur ein Aushängeschild für das Korps, die hat auch mit dazu beigetragen, daß Winsen für den internationalen Schießsport interessant wird. Wir hoffen, daß sie zu einem festen Begriff für alle Sportschützen wird !"
Innerhalb des Winsener Schützenkorps aktivierte die Schießsportwoche alle schießsportlichen Aktivitäten und Tendenzen. Das ganz gezielt angestrebte Ergebnis diese Impulses war schließlich im Juni 1980 die Aufnahme des Schützenkorps in den Kreissportbund. Die Vorrausetzungen dafür gab es inzwischen. Rund 200 Mitglieder befanden sich nunmehr auf schießsportlichem Kurs. Eine Sportschützenabteilung mit einem Sportausschuß an der Spitze war vorhanden.
Den Vorsitz hatte der entschiedenste Verfechter der sportlichen Linie im WInsener Schützenkorps übernommen: Wilhelm Rulfs. ALs sein Stellvertreter fungierte Hans-Dieter Fricke gleichzeitig zuständig für die das allgemeine Gewehrschießen betreibenden Schützen. Der Vertreter der Jugendabteilung war Rolf Müller, der der Pistolenabteilung Hans-Ulrich Lade. Als Vertreterin der Damenabteilung daß Änne Fricke mit in dem Ausschuß.
Gerade im Jahr zuvor -1979 - hatten die Sportschützen des Schützenkorps Winsen ihre bis dahin größten Erfolge erringen können. Sie holten drei Landestitel. Im Dreistellungskampf Kleinkaliber war Günter Mertens der beste. In Luftpistole konnten sowohl Christian Benthien als auch Hans-Ulrich Lade Titel gewinnen. Groß war die Freude bei Sportwart Rulfs und bei Pistolenwart Willi Wobbe.
Ende 1980 - nach der Aufnahme in den Kreissportbund - erhielt der Übungsleiter der Jugendabteilung, Jürgen Junge, die F-Lizens. Damit verfügte das Schützenkorps erstmals über einen lizensierten Trainer.
Derweil eilte die Schießsportwoche von Höhepunkt zu Höhepunkt. Unter den Ausländern, die nach Winsen strebten, waren die Skandinavier am stärksten vertreten: Dänen, Schweden, Norweger und Finnen. Genauso traten Niederländer, Schweizer und Engländer in Winsen an. Es ging hier um höchst attraktive Ehrenpreise wie die Goldene Hämmerli, eine funktionsfähige, vom Kolben bis zur Mündung vergoldete Pistole, oder die Goldene Walther.
Zur 10. Norddeutschen Schießsportwoche wurden rund 1500 Starts gezählt. Etwa 77 000 Schuß Munition waren nötig.
Als die 20. Schießsportwoche heranrückte, stand fest, daß unter den sechs größten Norddeutschen Schießsportwochen die Winsener die spektakulärste war. Bremen, Bremerhaven, Eutin, Mellendorf und Potsdam hatte Winsen abgehängt.