1918: Der Soldatenrat kassiert die Degen

Martin Ravens lieferte dem Arbeiter- und Soldatenrat 1918 seine Degen ab.


Das Schützenfest 1914 kündigten die "Winsener Nachrichten" in geradezu übertriebenem militärischen Jargon an: "In Waffen starrt Winsen in den nächsten Tagen, denn das Schützenfest ruft seine Mannen zu den Fahnen und sammelt sie zum Kampfe, um sich neue Lorbeeren zu erringen, - nicht auf blutgetränkten Schlachtfelde, sondern in friedlichem Wettstreite auf dem Schießstande."
Es schien, Vorahnungen leiteten den Verfasser dieser Vorankündigung. Dabei muß man darauf hinweisen, daß die Deutschen von 1914 überwiegend den Krieg herbeisehnten. Endlich der Welt beweisen, wie stark das neue Deutsche Reich war.
Tatsächlich verließ das Schützenfest dann wie gewohnt. Am Donnerstag, dem 2. Juli 1914, marschierte das Schützenkorps durch die Stadt. Im Schützenhaus wartete die Festtafel. Schützenkommandeur Julius Schröder brachte das obligate Hoch auf Seine Majestät den Kaiser und König aus. Abends war der erste Festball. Am Freitag tat Sattlermeister Fritz Heffter den Königsschuß, und abends war der Festball.
Keiner konnte wissen, daß die Schützenfeste der Jahre 1915 bis 1918 wegen des Ersten Weltkrieges ausfallen mußten. Keine Umzüge durch die Stadt, keine Marschmusik, keine Bälle. Auch das weite Rund des Schützenplatzes blieb leer.
Üblicherweise wurden mehrere Zelte auf dem Schützenplatz aufgeschlagen. Für das Schützenfest 1912 ist überliefert, daß es zwei Wirtschaftszelte gab: Rehbehns Café und Restaurant sowie Köhlers Restaurant. Dazu kam Massas "Wurstbude", wahrscheinlich eine größere Bude. In den 20er Jahren empfahl der Gastwirt und Kinobesitzer Pauli Meyer sein Wirtschafts- und Kaffeezelt. ("Nur beste Getränke. Kalte Speisen. ff. Würstchen").
Im Jahre 1908 gastierten im Konzert- und Restaurationszelt Heinrich Weselohs (Bahnhofshotel) "erstklassige Kräfte" aus Hamburg. Zu den Beschickern des Festplatzes gehörte schließlich Opa Sellmer mit seinem Hippodrom. Acht Pferde warteten darin auf ihre Reiter.
Nichts mehr von alledem während langer Kriegsjahre. Am Ende übernahm ein Arbeiter- und Soldatenrat die Kontrolle über die Stadt. Die Schützenoffiziere mußten nicht zuletzt ihre Degen abgeben. Buchdruckereibesitzer und Chefredakteur Martin Ravens hob eine entsprechende Quittung auf. Unter dem Datum 29. November 1918 bescheinigte der Arbeiter- und Soldatenrat Winsen, daß er von Ravens zwei Degen erhalten hatte. Ein Unteroffizier namens Feuerhalm setzte seine Unterschrift darunter. Ende der Kaiserzeit - Ende des Schützenwesens ?