1848: Die Revolution

Die Uniform des Gründerjahres 1848 - 1884 noch einmal angelegt


"Die Morgenröthe eines neuen Lebens"

Einer kleinen Zahl ebenso einflußreicher wie aktiver Winsener Bürger war es 1848 zu verdanken, daß ein Schützenkorps gegründet wurde. Hier die Namen der künftigen Schützen: Kammerkonsulent Reuter, Advokat Kuntze, Brauherr Wenck, "Goldarbeiter" Meyer, Gastwirt Rötting, Bahnhofsverwalter Delliehausen, Kaufmann Eppen und ein gewisser Carl Meiners. Die beiden zuerst genannten dürften in der Justiz auf dem Schloß tätig gewesen sein.
Im Frühjahr 1848, so der Plan, sollte eine allgemeine Bürgerwehr aufgestellt werden. In vielen Städten überall in Deutschland traten damals Bürgerwehren auf den Plan. In Winsen wurde nichts daraus. Stattdessen kam es kurz vor Jahresende am 05.Dezember 1848 zur Gründung des Schützenkorps.
Ein Schützenkorps unterscheidet sich von einer Bürgerwehr darin, daß es nur den freiwilligen Eintritt kennt. Inder Bürgerwehr mußte jeder Bürger seinen Dienst tun, so wie es vor 1750 auch in Winsen gegolten hatte.
1848 war das große Revolutionsjahr. In der Paulskirche zu Frankfurt am Main trat die erste deutsche Nationalversammlung zusammen. Die Träger des erwachenden Nationalgefühls waren nicht zuletzt die Schützen. "Turner, Sänger, Schützen / sind des Reiches Stützen" hieß es zurecht.
Die Aufbruchstimmung des Jahres 1848 beschreibt der Superintendent Karl Christian Walther in einem später dem Schützenkorps überlassenen Bericht: "Die Morgenröthe eines neuen Lebens, die das ewig denkwürdige Jahr 1848 über Europa und Deutschland ergehen ließ, goß ihre Flammen auch über unsere Stadt. Die Stürme, welche ihr folgten, erweckten und riefen zur Theilnahme auch ihre Bürger. Die Bedeutung und Kraft der Städte ruhte in früherer Zeit besonders in ihrer Bürgerwehr. Keine Stadt war ohne dieselbe. Die Massen des stehenden Heere in neuerer Zeit raubten der Bürgerwehr als solcher fast überall Ansehen und Einfluß. Seit 100 Jahren hatte auch Winsen an der Luhe seine Bürgerwehr und, was damit zusammenhing, seine Schützenfeste verloren."
Ausführlich ging der Kirchenmann auf die Bedeutung eines Schützenfestes ein: "Ein Schützenfest ist und soll sein ein Volksfest, und das Verschwinden eines Volksfestes ist immer ein großer Verlust für die sozialen Verhältnisse einer Bürgerschaft."
Auf der Gründungsversammlung am 05.Dezember 1848 traten dem Schützenkorps 69 Winsener Bürger bei. Der Brauherr Wenck wird auf der Teilnehmerliste als Major geführt, während der Kammerkonsulent Reuter als Major außer Dienst bezeichnet wird. Reuter plante seinen Fortzug von Winsen. Er war sozusagen der Gründungskommandeur. Als die Gründung tatsächlich vollzogen wurde, nahm Wenck die Fäden in die Hand.
Rechtzeitig am 05.Dezember hatten die Initiatoren Statuten formuliert, gegliedert in 19 Paragraphen. Paragraph 2 regelte die Uniformfrage. Die Uniform der Winsener Schützenkompanie bestand aus einem dunkelgrünen tuchenen Waffenrock mit einer Reihe weißer Metallknöpfe und silbernen Achselstücken, diese als Dragoner bezeichnet. Als Kopfbedeckung diente eine dunkelgrüne ungarische Tuchmütze. An der Vorderseite erkannte man das Winsener Wappen in weißem Metall mit der deutschen, das heißt der schwarz-rot-goldenen, Kokarde darüber. An einem schwarzen Ledergürtel wurden eine Patronentasche und das Hirschfänger genannte kurze Seitengewehr getragen. Die Büchse schließlich machte die Schützenausstattung komplett.
Wie die Uniform von 1848 ausgesehen hat, ist auf Fotos aus dem Jahre 1884 zu sehen. Schützen wie der Schiffer Heinrich Wischweh trugen nach wie vor die alte Uniform. Und ein Fotograf bannte auf die Glasplatte, wie man sich diese erste Uniform vorzustellen hat.