1969: Der Musenkönig Hermann Dubber

Mit Abstand betrachtet, sieht es geradezu so aus, als ob eine überlegene Regie die Schützenjahre 1969 und 1970 in Szene gesetzt hätte. 1969 ein König der alten Winsener Schützentradition: Hermann Dubber. Und 1970 der Beschluß, sich vom Schützenhaus  zu trennen und ein Schießsportzentrum zu bauen.
Hermann Dubber und das Schützenkorps Winsen - seinen Beitritt erklärte er am 29.April 1921. Aber lange davor war er schon am Winsener Schützenfest beteiligt. Als Wilhelm Rieckmann 1909 die Winsener Vereinskapelle gründete, da spielte darin der 17jährige Hermann Dubber Trompete. Wahrscheinlich hatte der junge Trompeter auch mitgespielt, als 1908 die Kapelle der Musikschule Bardowick auf dem Winsener Schützenplatz zu hören war. 1925 löste Dubber Rieckmann als Dirigent ab. Schon vier Jahre zuvor - 1921 - hatte die Vereinskapelle auf Anregung von Kommandeur Wilhelm Ravens Schützenuniformen bekommen. Wurde sie bei den Schützen gebraucht, war die Kapelle nun Grün gewandet. Bei den vielen anderen Anlässen trug sie weiterhin den schwarzen Anzug.
In den 30er Jahren wurde aus der Vereinskapelle der Musikzug SA-Standarte 428. Nach dem Zweiten Weltkrieg hieß die Kapelle Winsener Konzertorchester. Der Dirigent war immer derselbe: Hermann Dubber.
Als Orchesterdirigent und Dirigent zahlreicher Chöre aktivierte Hermann Dubber das musikalische Leben in Winsen so sehr, daß er daran gehen konnte, Winsener Musikwochen zu inszenieren. Der Titel Stadtmusikdirektor, der außer ihm niemanden sonst verliehen worden ist, verdeutlicht den Stellenwert des Musikers Dubber.
Und dieser Mann tat unversehens den Winsener Königsschuß. Im 78. Lebensjahr befand er sich, als Kommandeur Karl Hermann Grimm am Königs-Freitag 1969 - es war der 4. Juli - bekanntgeben konnte, daß Hermann Dubber passend zu seinem Alter mit einem 78-Teiler Schützenkönig war. Riesiger Jubel im großen Saal des Schützenhauses. Ob Hermann Dubber verstohlen von der zu dem Musikboden an der entgegengesetzten Seite hinüberschaut hat? Auf diesem Musikboden saß immer die Vereinskapelle und bespielte beide Säle, den großen wie den kleinen, was inzwischen lange schon Vergangenheit war. Den kleinen Saal hatte man nach den Beschädigungen während der Lazarettzeit nie wieder zum Tanzen hergerichtet. Der Musikboden war mit Brettern zugenagelt.
Hermann Dubber am 4. Juli 1969 nach der Proklamation: "Hoffentlich seid ihr mit mir zufrieden, mit solch einem alten Knacker." In aller Liebenswürdigkeit sagte er das. Dem "Winsener Anzeiger" gegenüber fügte er selbstbewußt hinzu: "Ich wußte, daß ich gut geschossen hatte. Ich wollte einmal zeigen, daß nicht nur junge Schützen gut schießen können."
Dasselbe Selbstbewußtsein gab Frau Stadtmusikdirektorin zu erkennen. Als Schaffer und Adjutant Otto Ahrens, ein begeisterter Sänger aus dem Singzirkel des MTV, die große Kunde vom Schießstand überbrachte, da sagte sie: "Ach, da gibt´s ja ein neues Kleid." Im Hinblick auf den abendlichen Königsball befand sie sich gerade auf dem Weg zum Friseur.
Derweil hob Bürgermeister Dr. Fritz Broistedt an der Königstafel sein Glas auf den neuen König: "Dem fröhlichen, dem launigen Hermann Dubber zu Ehren erheben wir das Glas!"
Es wurde ein Königsjahr so recht nach dem Geschmack der Traditionsschützen. Höhepunkte waren die Bälle des Kreisverbandes in Buchholz und des Landesverbandes in "Planten un Blomen" zu Hamburg.
Zusätzlicher Glanz fiel auf den Winsener König, als er für den Fernsehfilm "Grün ist die Heide" dirigieren durfte, als man ihn zum Ehrenchorleiter des Sängerkreises Winsen-Harburg ernannte, als er nicht zuletzt im Hinblick auf die Winsener Musikwochen das Bundesverdienstkreuz überreicht bekam. Glanz auch durch die ebenfalls ins Königsjahr fallende Goldene Hochzeit.
Der Zapfenstreich im nächsten Jahr - 1970 - mußte ein weiterer Höhepunkt werden. Aus den Fenstern der Königsburg an der Hoopter Straße schauten Winsens erste Damen. Die ersten Herren nahmen im Vorgarten Aufstellung. "Frisch und huldvoll", wie der "Winsener Anzeiger" wahrnahm, trat die Majestät aus der Tür. Die Lüneburger Schützenkapelle servierte den Großen Zapfenstreich ungleich professioneller als im Vorjahr. Der musische König durfte sich freuen.
Später beim Kommers im Schützenhaus wünschte der König: "Guten Trunk! Guten Appetit!" Der Singzirkel des MTV hatte für seinen alten Dirigenten mehrere Lieder mitgebracht. Plötzlich ging mit Hermann Dubber das Musikerblut durch, und er griff zum Dirigentenstab.