1960: Die Kommission löst sich auf

Winsen rätselte, was denn nun eigentlich passiert war, als der "Winsener Anzeiger" am 21. Januar 1960 meldete: "Schützenkommission zurückgetreten". Des Näheren hieß es: "Die gestern nach E. Dürings Gaststätten einberufene Kommissionssitzung des Schützenkorps Winsen (Luhe), die unter Leitung von Kommandeur Wilhelm Massa die für die Jahreshauptversammlung erforderlichen Vorbereitungen zu treffen hatte, ergab nach ergebnisloser Aussprache über die Klärung einer internen Angelegenheit des Korps den Rücktritt des Mitglieder des Kommission. Zwei Kommissionsmitglieder hatten zu Beginn der über einstündigen Aussprache bereits ihre Ämter zur Verfügung gestellt."
Die Jahreshauptversammlung war für Dienstag, den 16. Februar 1969, im Schützenhaus angesetzt. Dann, so die Zeitung weiter, mußte das Schützenkorps eine neue Kommission wählen.
Am 22. Januar befaßte sich das im Hamburg erscheinende "Echo" mit der Winsener Schützen-Kalamität. Hier erfuhr der Leser ein bißchen mehrals aus dem diskreten Lokalblatt. Die Schützenkommission hatte sich zu ihrer Aussprache den "Tatort" ausgesucht, nämlich die Gaststätte von Ernst Düring an der Bahnhofstraße. Dort waren jene Vorwürfe erhoben worden, deretwegen nun die Kommission ihren Rücktritt erklärt hatte.
Die Frage, wem von wem Vorwürfe gemacht worden waren, beantwortete das "Echo" wenigstens ansatzweise. Ein junger Leutnant war offenkundig der böse Bube, und bei seinem Kontrahenten handelte es sich um einen Hauptmann. Weiland hatte der Hauptmann von Leutnant Vorwürfe einstecken müssen. Nachdem reichlich Wasser die Luhe heruntergeflossen war, konnte der Hauptmann jene Vorwürfe, die der Leutnant einst ihm gemacht hatte, an den Leutnant zurückgeben. Dieser ging dagegen an beleidigte nicht nur den Hauptmann, sondern ein paar andere Offiziere gleich mit.
"Der junge Leutnant wäre klug beraten gewesen, hätte er von sich aus seinen Rücktritt aus der Kommission erklärt. Er tat es leider nicht", urteilte das "Echo". "So waren sich denn die übrigen Mitglieder einig, pauschal ihren Rücktritt zu erklären, um der Neuwahl der Kommission den Weg frei zu machen. Dem Schützenkorps bleibt damit sicherlich viel Ärger erspart, und Pannen gibt es schließlich überall einmal ..."
Diese Panne konnte auf der Jahreshauptversammlung am 16. Februar behoben werden. Vier Stunden lang tagten über 100 aktive Mitglieder des Schützenkorps. Die meiste Zeit beanspruchte die Neuwahl der Kommission. Aber schließlich war es geschafft. Die meisten Kommissionsmitglieder kehrten in ihre alten Positionen zurück.
Als das umständliche Werk der Neuwahlen beendet war, erklärte der wiedergewählte Kommandeur Wilhelm Massa: "Die neue Kommission möge nicht nur in guter Kameradschaft miteinander arbeiten, sondern sie möge noch mehr mit dem Herzen an ihre Arbeit für das Korps gehen."
Im 112. Jahr seines Bestehens war das Schützenkorps zu Winsen unversehens ohne Kommission gewesen. Das hatte es vorher keinmal gegeben, und hinterher gab es solches auch nicht.