1995: Auf dem Feldherrnhügel

Zeiten des Umbruchs allgemein in der Gesellschaft und speziell im Winsener Schützenkorps machen den Wunsch verständlich, einen Punkt wie den Feldherrnhügel im Schützenpark vorm Schützenhaus zu haben. So ein Feldherrnhügel verleiht Veranstaltungen einen visuellen Reiz, stärkt die im Schützenwesen verankerten Strukturen, sorgt auch - wenn man ihn nicht ganz so ernst nimmt - für zusätzliche humoristische Einlagen.
Im Jahre 1995 ließ Kommandeur Wilhelm Rulfs seinen Feldherrnhügel errichten. In den Grünanlagen linker Hand vorm Schützenhaus wurde der Boden aufgehöht und sogar gepflastert.
Seine erste Bewährungsprobe bestand der Feldherrnhügel am 30.Juni 1995. Es war der alte, inzwischen gestrichene Königs-Freitag. 39 Könige und Adjutanten von damals und heute nahmen darauf für den Fotografen Aufstellung. Später proklamierte der Kommandeur den König der Könige: Hans Balke.
Das Reglement für die Benutzung des Feldherrnhügels war streng. Er durfte nur für Amtshandlungen mit Gewicht benutzt werden. Vorgeschrieben war sogar, wie man den Feldherrnhügel betrat. Nur von rechts durfte man ihn betreten, und nach derselben Seite mußte man ihn wieder verlassen. Undenkbar zum Beispiel, daß Schützen wahrend der Wartezeit vor der Königsproklamation den Feldherrnhügel erklommen, um darauf einen Tisch und Stühle aufzubauen und Skat spielen.
Und doch geschah am 5.Juli 1996 - das Schützenkorps beging zum zweitenmal den alten Königs-Freitag - eben dies. Um 15.17 Uhr war es, daß Kommandeur Rulfs vier Skatspieler erwischte. Leutnant Walter Ließke saß mit dem Rücken zum Schützenhaus, protokollierte Rulfs. Oberleutnant Walter Fricke saß mit dem Rücken zum Schwarzen Weg des Schützengehölzes, Schaffer Rainer Sankowski saß mit dem Rücken zum Ehrenmal für die gefallenen Schützenbrüder. Und Feldwebel Klaus Jürgen Obeck saß mit dem Rücken zum Kommandeur.
Sofort bereitete der Kommandeur dem ehrlosen Treiben ein Ende. Den Gedanken, die Übeltäter sofort zu bestrafen, verwarf er, weil alle vier unübersehbare Verdienste in Sachen Schützenkorps hatten. Er appellierte an das eigne Gerechtigkeitsgefühl der Delinquenten. Bis zum Zapfenstreich des Schützenfestes sollten die sich selbst Strafen auferlegen. Andernfalls drohte ein Ehrengericht.
Schützenhumor, ein Körnchen Schützenärger hineingemischt. Oder auch Schützenärger, einige Körnchen Schützenhumor hineingemischt.