1874: Das erste Schützenhaus wird errichtet

Winsens erstes Schützenhaus aus dem Jahre 1874. Rechts und links je ein Saal


Wann immer an festlicher Schützentafel das erste Hoch ausgebracht wurde, es galt Kaiser, König und Vaterland. Seit 1871 gab es wieder einen deutschen Kaiser, nunmehr einen Hohenzollern, der gleichzeitig König von Preußen war. Als sich das Winsener Schützenkorps 1848 formiert hatte, war das erste Hoch immer an den König von Hannover und gleichzeitigen König von Großbritannien gegangen. Der innerdeutsche Krieg zwischen Preußen und Österreich von 1866 führte dazu, daß Preußen Hannover annektierte und aus dem Königreich mit internationalem Flair die preußische Provinz Hannover entstand.
Insgesamt 41 Winsener Schützenkönige hatten das Glück, während des neuen deutschen Kaiserreichs zu residieren (1871-1918). Dabei ist zu berücksichtigen, daß drei Könige jeweils zweimal königliche Ehren errangen und daß es in den Jahren 1915 bis 1918 ebenso wie zuvor 1866 und 1867 keinen König gab, weil Krieg war.
An Strukturen des Schützenkorps hatte sich wenig geändert. Von den 41 Königen kamen 29 aus dem Handwerkerstand; die meisten waren Handwerksmeister. Weiter gab es drei Gastwirte und drei Kaufleute. Dazu kamen drei Unternehmer, zwei Auktionatoren und ein Ackerbürger, also jemand, der sich auf seinem Acker vor den Toren der Stadt als Landwirt betätigte.
Das wichtigste Ereignis im neuen Kaiserreich war für die Winsener Schützen, daß sie endlich ein Schützenhaus bekamen. Um das zu erreichen, bedurfte es eines aktiven Kommandeurs. In Gestalt des Apothekers Theodor Meinecke war der vorhanden.1873 - nach der Ära der Gründungskommandeure Reuter und Wenck - trat er sein Amt an, und schon 1874 stand auf dem Zitronenkamp ein für damalige Begriffe stattliches Schützenhaus.
Der Mittelteil des Gebäudes enthielt im Erdgeschoß Gaststube, Klubraum und Küche. Im Obergeschoß hatte der Wirt seine Wohnräume. Nach den beiden Seiten lagen die beiden Säle, rechts - nach Westen zu - der erste oder der Schützensaal, nach links - nach Osten zu - der zweite Saal. Vor den Sälen erstreckten sich zum Schützenplatz hin Veranden.
Die Kosten für den Neubau beliefen sich auf 2800 Taler. Wie beim Erwerb des Zitronenkamps bewiesen die Schützen Korpsgeist im wahrsten Sinne des Wortes. Sie gaben Darlehen zu 25 Talern. Der Rest wurde durch die Aufnahme einer Hypothek abgedeckt.
Nicht nur die Schützen benutzten ihren Prachtbau. Auch andere Winsener Vereine konnten dort jetzt ihre Feste feiern. Die beiden Säle boten sich ebenso für Kundgebungen und Ausstellungen an.
Während für die tanzenden Schützen nunmehr die besten Voraussetzungen bestanden, mußten sich die schießenden Schützen weiter mit einem Provisorium leben. Neben dem zweiten Saal, nur durch einen schmalen Weg getrennt, stand die seit eh und je als Schießstand benutzte Bretterbude. Sie enthielt zwei Schießstände. Auch insoweit günstigere Verhältnisse zu schaffen, sollte noch dauern. Erst Kommandeur Julius Schröder sorgte anläßlich des 50jährigen Jubiläums des Schützenkorps im Jahre 1898 für Abhilfe.