1849: Winsen feiert erstmals Schützenfest

Antreten auf dem Kopfsteinpflaster der Marktstraße mitten in Winsen


Gleich im Jahre 1849 feierte das Schützenkorps sein erstes Schützenfest. Der erste König hieß Heinrich Röhlsberger. Er kam aus dem Handwerk und war Malermeister. Unter den ersten 20 Winsener Königen bis heran an das neue Kaiserreich unter Wilhelm I. dominierten die Handwerker. 14mal tat ein Handwerksmeister den Königsschuß. Dazu kamen fünf Gastwirte und ein Kaufmann. So entsprach es der Struktur des Luhestädtchens von Anno dazumal.
Am 13.,14. und 15. Juli 1849 - von Freitag bis Sonntag - feierte das Schützenkorps sein erste Schützenfest. Der Festplatz war übrigens der Zitronenkamp; bis zum heutigen Tage ist dieses Gelände der Festplatz geblieben.
Das aus Brauherr Wenck, Bäckermeister Rieckmann und Oberkontrolleur Engelhardt bestehende Festkomitee bedauerte, daß König Heinrich Röhlsberger nicht der Silberschmuck der alten Bürgerwehr angelegt werden konnte. Gerade 1833 hatte der Bürgermeister namens des Rates alles Schützensilber verkauft. der silberne Vogel von 1652 und die insgesamt 22, allesamt jüngeren Königsschilder wanderten in den Schmelztiegel. Für die 155 Lot schweren Silbersachen erzielte die Stadt Winsen einen Verkaufspreis von 90 Talern und 10 Gutengroschen.
Wie im Vorjahr hielt Superintendent Karl Christian Walther wichtige Eindrücke fest: "Wie schön flatterten die mit schwarz-rot-goldenen Bändern gezierten Fahnen, unter langjährigem Verschluß herbeigeholt, im Winde, wie fröhlich zogen mit grünen Reisern geschmückt die Schützen und die sich ihnen angeschlossenen Bürger dahin, wie lieblich tönte die Musik des Schützen-Korps an deren Spitze. - Es war ein freier und fröhlicher Athemzug, den die Bürgerschaft an diesen Tagen that ...
Mögen sie oft wiederkehren!"
Aus seinen eigenen Reihen hatte das Schützenkorps ein Musikkorps zusammengestellt. Der Papierfabrikant Franz Heinrich Giesemann, als musischer Mensch und Förderer des jüngeren Brahms bekannt geworden, leitete sechs Hornisten. Das war der Anfang der Winsener Schützenkapelle.
Auf dem Festplatz standen mehrere Tanzzelte sowie zwei Unterhaltungszelte. Weiter wird ein Schützenzelt erwähnt.
Gleich im folgenden Winter 1849/50 vermochten die Winsener Schützen den Zitronenkamp zu kaufen. 390 Taler betrug der Kaufpreis. Aufgebracht wurde er durch Aktien. Für eine Aktie mußte man einen Taler zahlen. Die Zinsen pro Jahr betrugen einen Groschen. Am 13.August 1881 konnten die letzten durch Aktienverkauf eingenommenen Gelder zurückgezahlt werden; die letzten 35 Aktien wurden eingezogen.