1966: Endlich eine Damenabteilung

Das Winsener Schützenkorps erwies sich als extrem konservativ. Über 100 Jahre waren keine Damen unter den Mitgliedern des Korps gesichtet worden. Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhundert gab es in etlichen Schützenvereinen rund um Winsen längst Damenabteilungen. Und siehe da auch in Winsen war schließlich das Eis gebrochen. Im Jahr 1966 wurde eine Damenabteilung gegründet.
Anno 1965 traten die ersten Damen ins Schützenkorps ein. Es waren diese fünf: Gisela Golz, Inge Hermes, Jutta Lampe, Heidrun Otte und Ingrid Zint. Kommandeur Wilhelm Massa hatte angeregt, eine Damenabteilung ins Leben zu rufen.
Zu der Gründungversammlung im nächsten Jahr fanden sich in Röttings Hotel acht Damen ein, und schnell stießen weitere dazu. Die Leitung übernahm Walter Fricke für fast eineinhalb Jahrzehnte. Ab 1980 war Maren Wolperding Vorsitzende, gefolgt von Rainer Sankowski und Gabriele Hartzmann. 1994 wurde Annegrit Oppermann gewählt.
Das Programm entsprach dem der Herren. Das traditionelle Schießen konnte zum sportlichen Schießen ausgebaut werden. Die dritte Säule war die Geselligkeit. Die Damenabteilung unternahm gemeinsame Radfahrten, traf sich zum Kegeln, arrangierte Tanzabende, zu denen die Herren eingeladen waren.
Anfangs sah man die Damenabteilung im Kostüm. Später trug sie Dirndlkleider mit Weste. Seit dem Vogelschießen 1990 ist ein neues Trachtenkostüm aus rotem Wollstoff eingeführt, bestehend aus einem angekrausten, wadenlangen Rock mit zwei Schlitzen, einer kragenlosen Kurzjacke mit schwarz abgesetzten Stulpen und silberfarbenen Trachtenknöpfen, dazu eine weiße Bluse je nach Lust und Laune.
Schießsportlich gesehen verlief das Jahr 1988 äußerst erfolgreich. Zwei Pokalmannschaften besuchten zahlreiche Pokalschießen mit hervorragenden Ergebnissen. Die sechs Schützinnen im Abc: Inge Deepe, Gabriele Hartzmann, Heide Heche, Margrit Nielsen, Helga Simoleit und Marlies Weshollek. Zu den Wettbewerben um den Winsener Stadtpokal traten die Damen mit einer zehnköpfigen Mannschaft an. 1988 gelang es ihen, den Pokal zum drittenmal hintereinander zu gewinnen, so daß er in ihren Besitz überging.
Annegrit Oppermann wertete das Schießen auf, indem sie gleich bei ihrem Amtsantritt 1994 der Damenbesten eine Kette überreichte; Gunter Oppermann, ihr Ehemann, hatte das kostbare Stück gestiftet. Die Damenbeste wird in der Damenabteilung übrigens erst seit 1992 ausgeschossen.
Groß gefeiert wurde am 20. April 1996 das 30jährige Bestehen der Damenabteilung. Zuerst ein Schießen mit Luft- und Kleinkalibergewehren.
Gabriele Hartzmann hatte das Schießprogramm zusammengestellt. Um 18 Uhr kam der Fotograf. Um 19 Uhr trafen die Gäste ein. Im Schützenhaus war ein kaltes und warmes Büfett aufgebaut. Ein Damenchor trug ein Lied vor. Inge Deepe, das einzige anwesende Gründungsmitglied, kriegte einen Blumenstrauß. Bis weit nach Mitternacht wurde getanzt.
Der völlige Durchbruch der Emanzipationstendenzen der Damenabteilung des Schützenkorps war übrigens 1993 erfolgt. Im Januar des Jahres zog Gabriele Hartzmann als erste Frau in die Kommission ein. 1994 trat Annegritt Oppermann an ihre Stelle. Im Jahr darauf 1995 nahm die Damenabteilung erstmals am donnerstäglichen Kommers teil.