1993: Der Königsball wird verlegt

Das ganze Schützenfest rückte von Juli auf August. Innerhalb des Schützenfestes legte man den Termin der Proklamation von Freitag mittag auf den Spätnachmittag des Freitags. Gleichzeitig schob man den Königsball vom Königs-Freitag auf den folgenden Sonnabend. Auch insoweit war die Hoffnung, daß mehr Besucher kamen.
Der Freitag des Winsener Schützenfestes durfte schon als der anstrengendste Tag des gesamten vier- beziehungsweise fünftägigen Festes gelten. Morgens ging es verhältnismäßig früh los. Dann das lange Königsschießen. Schließlich die Königstafel. Und dann abends der Königball.
Generationen von Winsener Schützen hatten diese Programm durchgestanden. Jetzt versprach man sich eine Belebung des Balles davon, daß man den Freitag vergleichsweise ruhig ausklingen ließ und dann mit den frischen Kräften des wenig Programm bietenden Sonnabends zum Königsball am Abend strebte.
Tatsächlich, der Königsball des Jahres 1993, in dem die Programmänderung griff, war stärker besucht als die voraufgegangenen. 250 Ballbesucher wurden gezählt , und die Stimmung war prima. Die "City-Show-Band" spielte. Die Jazzdance-Gruppe im MTV Borstel-Sangenstedt trat auf. Noch wichtiger war gewiß, daß der König des Jahres 1993 Uwe Peters hieß, allseits bekannt und geschätzt. Er selbst war der Publikumsmagnet seines Balles.
Die Eigendynamik des Königsballes hatte sich mit den Jahren verbraucht. Im Grunde war der Auszug aus dem riesigen Schützenpalast mit den drei Sälen nie kompensiert worden. Noch in den 70er Jahren war der Königsball der Ball der Bälle gewesen. Nicht ein Vereinsball, sondern der absolut erste, fast offizielle Ball der Kreisstadt. Das hatte damit zu tun, daß die Schützen der Obrigkeit in Rathaus und Kreishaus näher standen als die Mitglieder anderer Vereine. Der Schützenball repräsentierte das Bürgertum, eingedenk dessen, daß ehedem jeder Bürger Mitglied der Bürgerwehr, des Schützenkorps-Vorläufers, hatte sein müssen.
Wer sich in WInsen als Freiberufler niederließ, wer in Winsen eine Firma gründete, drängte auf den Königsball. Dort nicht zu sien, war gleichbedeutend mit, nicht in Winsen zu sein. Viele hundert Menschen faßte das alte Schützenhaus.
Schon allein aus Gründen der räumlichen Kapazität konnte die Stadthalle eine Fortsetzung der alten Königsbälle nicht ermöglichen.