Anno 1750: "Mancherley Ausschweifungen"

Am 04.Juli 1710 wurde das öffentliche Scheibenschießen zu Winsen verboten, "weil es viele desordres verursachet und zum Gesöff und anderen liederlichen Händeln Anlaß gegeben". Ausgesprochen wurde das Verbot nicht mehr von der Celler Regierung, sondern von den "Churfürstlich Braunschweigisch-Lüneburgischen Geheimbten Räthen" zu Hannover. Das Fürstentum Lüneburg war inzwischen im Kurfürstentum Hannover aufgegangen.
So klar das Verbot von 1710 formuliert war, es wurde nicht befolgt, do daß Hannover abermals tätig werden mußte. Am 29.Mai 1737 wurde der Oberamtmann Tolle auf dem Schloß zu Winsen ermahnt, daß er energisch durchgreifen sollte. Sowohl das große Pfingstschießen als auch die kleinen Sonntagsschießen waren verboten. Wer dem zuwider handelte, hatte mit einer Gefängnisstrafe zu rechnen.
Der hannoversche Kurs war unsicher. Im Jahre 1741 wurde das Verbot der Schützenfeste im Lande wieder aufgehoben. Daraufhin holten auch die Winsener Schützen Anno 1742 ihre Gewehre wieder hervor. Allein sie feierten so ausgelassen, daß sich das "Königlich und Churfürstliche Amt allhier" in Winsen veranlaßt sah, in den Jahren nach 1742 mehrfach gegen das "Schmausen und Gesöffe" auf den Schützenfesten zu wettern. Die Bedeutung des Welfenhauses hatte weiter zugenommen. Nunmehr waren die Welfen Kurfürsten von Hannover und Könige von Großbritannien.
1743 setze der Oberamtmann durch, daß der "Raths-Schmaus und die überflüssige Ausgabe von Wein, Coffee und dergleichen" unterblieben. Die Korporalschaften der Winsener Schützen bekamen statt neun nur noch fünf Tonnen Bier.
1750 erneuerte König und Kurfürst Georg II. das gegen die Schützenfeste gerichtete Verbot. Die Begründung lautete so: Weil "an den mehresten Orten sich ergeben, daß durch das Scheibenschießen mancherley Ausschweifungen, Zeit und Geld-Verspilderungen, Unmäßigkeit im Trinken, Schlägerei und allerhand Unfug veranlasset".
Diesmal erfolgte keine nachträgliche Aufhebung, nicht einmal eine Lockerung. Die Schützenfeste waren passé. Fast ein Jahrhundert lang ruhte überall im Hannoverlande und damit auch in Winsen das Schützenwesen. Der Silberschatz der Winsener Schützengilde, ihre Fahnen und Trommeln wurden unbenutzt im Rathaus aufbewahrt.