1983: Freitags-Ausmarsch gestrichen

Der Schießsport war im Kommen. Das Traditionsschießen mit allem, was sonst Tradition hieß, mußte aus Kostengründen immer mehr gekappt werden. Blasmusik wurde nach und nach geradezu unbezahlbar.
Am Königs-Freitag 1983 trat das Schützenkorps nicht mehr auf der Marktstraße an. Dementsprechend marschierte es nicht mehr zum Rathaus, um dort Bürgermeister und Stadtdirektor in ihre Reihen aufzunehmen. Die alte Verbindung zwischen Schützen und Obrigkeit, zwischen Bürgermeister auf der einen und Stadt und Amt , dem Vorläufer des Kreises, auf der anderen Seite ließ sich nicht mehr recht ausmachen. Morgens inmitten der pulsierenden Stadt waren die Besuche der Schützen vor Rathaus und Kreishaus spektakuläre Auftritte mit viel Publikum.
Die Verlegung des Antretens von der Marktstraße vor die Stadthalle war ein einschneidender Kulissenwechsel. Zwar kam zur Stadthalle der Bürgermeister, um die Parole fürs Schützenfest auszugeben, aber im Grunde waren die Grünberockten jetzt unter sich.
Kam dazu, daß die Parole 1983 besonders dürftig ausfiel und nur in dem einen Wort "Schützenliesel" bestand. Kam dazu, daß der kleine Musikzug Scharnebeck in einer Art Räuberzivil auftrat. Kam dazu, daß der Offizier vom Dienst, Heinrich Schipper Rieckmann, die anwesenden Schützen nur von der Treppe der Stadthalle zum neuen Schützenhaus zu führen hatte.
Ein Schütze wußte sich, als abends Horst Braker in der Stadthalle seinen Königsball feierte, zu trösten. Der Ball begann, angeführt durch die Tanzschule Sasse, mit einer Polonäse ohne Ende ... Der Trost lautete so: "Da haben wir den gestrichenen Ausmarsch am Freitag morgen also doch noch nachgeholt."