1998: Das 150jährige Jubiläum

Vor dem großen jetzt 1998 zu feiernden 150jährigen Jubiläum des Schützenkorps Winsen war unversehens noch ein weiteres Jubiläum zu feiern. Wiederum zeigte sich, daß Kommandeur Wilhelm Rulfs die Historie des Winsener Schützenwesens voll im Blick hatte. Wer anders als er dachte daran, daß 1997 das erste Zeugnis der Bürgerwehr 400 Jahre alt wurde?
Ein 400jähriges Jubiläum also! Damals vor 400 Jahren gab es die Winsener Bürgerwehr bereits; wann sie gegründet wurde, steht nicht fest. Fest steht indessen, daß die Winsener Schützen Anno 1597 einen Brief an die Herzogin Dorothea richteten, zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Schloß zu Winsen wohnend. Die Schützen fragten an, ob die Herzogin zum Winsener Schützenfest einen Ehrenpreis stiften wollte, so wie ihr verstorbener Gemahl in den Jahren zuvor es getan hatte.
400 Jahre schriftlich bezeugtes Winsener Schützenwesen waren zu feiern. Am 24.Mai 1997, einem Sonnabend, strömten die Mitglieder des Schützenkorps in erfreulicher Stärke auf den Schützenplatz. Als erstes wurde ein Jubiläumsfoto auf genommen. Dann ging es ans Schießen. Ein Gildekönig - in Erinnerung an die Schützengilde genannte Bürgerwehr - sollte ausgeschossen werden.
Überraschenderweise erwies sich ein Schütze außerhalb des bekannten Feldes der Schießasse als Tagesbester: Dieter Heermann mit einem 60,2-Teiler.
Zum Zeitpunkt des Gildeschießens war längst (seit 1993) eine andere historische Bindung wiederentdeckt worden, die ans Winsener Schloß. Zum Festzug am Sonntag wird der König neuerdings aus dem Schloßhof abgeholt. Hier im Schloß residierte weiland die den Schützen so gewogene Herzogin Dorothea. Die Hinwendung zum Schloß war zugleich eine Unterstützung der Bemühungen, das Schloß endlich wieder in die Mitte des Winsener Lebens zurückzuholen (die sich auf die Schloßkapelle richtenden Renovierungspläne).
Das Jubiläumsjahr 1998 bietet zahlreiche Termine. Die meisten davon entstammen dem überkommenen Jahreskalender des Schützenkorps. Das Jubiläumsschützenfest 1998 Ende August läßt in seinem Ablauf von Donnerstag (Zapfenstreich) bis Montag (gemütlicher Ausklang) das alte Schützenfest-Schema erkennen. Für viele Schützen und andere Bürger der Stadt einfach eine Bestätigung. Andere sehen über alledem die Frage stehen: Wie wird es weitergehen?
Durch 150 Jahre ist das Schützenkorps in mehr oder minder vorgezeichneter Bahn durch die Stadt marschiert. Aber läßt sich das in Zukunft aufrechterhalten? Die Frage ist sowohl an die Schützen zu stellen als auch an die übrige Winsener Bevölkerung.
Mehrfach hat Kommandeur Rulfs in den letzten Jahren erklärt, daß bis zum Jubiläum im wesentlichen alles beim alten bleiben solle. Für die Folgezeit aber müsse man die Frage stellen, ob es bei dem 150jährigen Konzept bleiben könne.
Nach dem großen Jubiläum ist alles offen! So der Kommandeur häufiger. Das Schützenfest könnte sich auf das Gelände unmittelbar am Schützenhaus konzentrieren. Es könnte sich auch an die so überaus erfolgreiche Norddeutsche Schießsportwoche zu Winsen anhängen. Selbst hinter dem bisherigen Zwang zur Uniform steht im Hinblick auf die Jugend ein Fragezeichen.
Die "Initiative 2000", von der Kommission ins Leben gerufen, ist dabei, ein tragfähiges Konzept für die Zukunft zu entwerfen.
Egal, wie es ausfällt - zum 150jährigen Jubiläum lohnte es sich in jedem Falle, zurückzublicken auf die vergangenen 15 Jahrzehnte. Viel Festliches, viel Schützenübergreifendes, viel Anrührendes, viel Charmantes gab es da zu entdecken und festzuhalten.